Ein berührendes Melodram


<p>Wer an Ballett denkt, denkt zuallererst an "Schwanensee". Die Geschichte von der Schwanen-Prinzessin Odette, dem bösen Zauberer Rotbart und dem Prinzen Siegfried ist das romantische Handlungsballett schlechthin. Die Ballettmusik von Tschaikowsky entfaltet ihren Zauber auch in reiner Klavierfassung. Dies demonstrierte das japanisch-deutsche Klavierduo Mariko und Volker Eckerle aus Karlsruhe, das in der Evangelischen Kirche in Wollbach eine Fassung von "Schwanensee" für Klavier zu vier Händen aufführte.</p> <p>Da tanzten für einmal nicht die weißen Schwäne über eine Bühne, sondern die Finger des Pianisten-Paares über die Tasten. Die japanische Pianistin Mariko Eckerle hat diese Bearbeitung erstellt, die als eigenständige Version für Klavierduo ihren eigenen Reiz hat. Die Zusammenstellung der Stücke folgt in komprimierter Form der Handlung, das berühmte Leitmotiv ist ebenso dabei wie die farbigen Nationaltänze aus dem großen Divertissement. Geschickt verflochten mit den einzelnen Stücken, trug Sprecher Felix Eckerle mit angenehmer Theaterstimme wesentliche Teile der Geschichte vor, so dass sich Text und Musik in schönster Bildhaftigkeit ergänzten.</p> <p>Die Zuhörer konnten sich also mühelos die Bilder vorstellen, die man bei Tschaikowskys Musik vor Augen hat: das Stimmungsbild des verwunschenen Sees, an dem die zu Schwänen verwandelten Mädchen mit ihrer Schwanenkönigin Odette nachts erscheinen; das festliche Treiben beim Geburtstag des Prinzen, wo ein schwelgerischer Walzer und der wirbelnde "Tanz der Pokale" getanzt wird. Da fliegen die Hände des Duos enorm schwungvoll über die Tasten in diesem übermütigen Tanz des Prinzenfreundes Benno. Sehnsuchtsvoll erklingt dann das berühmte Schwanen-Motiv, als der Prinz zur nächtlichen Jagd am See aufbricht. Lyrisch und verträumt wird die Atmosphäre beim Auftreten von Odette, eine Szene, die vom Klavierduo Eckerle wunderbar poetisch, gespielt wurde. Schwebend leicht wie eine Feder, überaus grazil klingt dieses Solo der Schwanenkönigin.</p> <p>Nach den mondlichtsanften Schwanenszenen trumpfte das hervorragend harmonierende Duo in den verschiedenen Nationaltänzen beim Ball im Schloss rhythmisch pointiert auf. Wie technisch geschliffen und differenziert im Zusammenspiel dieses Duo agiert, hörte man auch in den dramatischen Szenen wie dem Kampf des Bösewichts Rotbart gegen den Prinzen. Sehr packend fingen Mariko und Volker Eckerle dieses Ringen mit dem Dämonischen ein, da wogt es auf den Klaviertasten mächtig hin und her. Dieses Finale hatte in der engen Verschmelzung von Text und Musik etwas von einem berührenden Melodram. Viel Beifall.</p>