Hörerlebnisse der besonderen Art: Vierhändiges von Robert Schumann


<p>Von Schallplatten, CDs oder gar MP3-Dateien konnten die mitten im 19. Jahrhundert lebenden Musikfreunde noch nichts wissen. Wer Opern und Orchestermusik kennenlernen wollte, dem blieb meist nur der Weg, die entsprechenden Werke in Klavierfassungen durchzuspielen. So entstand damals ein ausgedehnter Markt von Bearbeitungen für Klavier zwei- oder vierhändig, wobei die letzteren es auch begabten Dilettanten ermöglichten, den Eindruck orchestraler Klangfülle hervorzurufen.</p> <p>Es ist ein Stück historischer Aufführungspraxis, wenn dieses Musizieren – freilich nun mit dem Zugriff professioneller Musiker – heute wiederbelebt wird. Dies lohnt vor allem dort, wo die vierhändigen Arrangements vom Komponisten selbst stammen oder unter dessen Aufsicht von berufener Hand angefertigt wurden. Was Robert Schumann betrifft, so ist beim Label Naxos gerade eine siebenteilige CD-Edition mit Orchester- und einigen Kammermusikwerken in vierhändiger Klaviertranskription im Entstehen, die der Schumann-Forscher Joachim Draheim konzipiert hat. Für die klangliche Umsetzung sorgt das seit 2006 bestehende renommierte deutsch-japanische Klavierduo Mariko und Volker Eckerle.</p> <p>Die neu erschienene dritte CD dieser Edition enthält als zentrales Werk Schumanns „Rheinische Sinfonie“ in einer Bearbeitung des Komponisten-Kollegen Carl Reinecke. Gross aufrauschenden quasi-orchestralen Klang lassen Mariko und Volker Eckerle im Kopfsatz mit lyrischen Absenkern wechseln, musizieren das folgende Scherzo als behäbig sich wiegenden Volkstanz und lassen den vierten Satz, „Feierlich“ zum eigentlichen Höhepunkt der Interpretation werden: als eine Steigerungsform, die altklassische Polyphonie in romantischem Geist wiedererstehen lässt. Was dabei an Orchesterkolorit verloren geht, wird durch strukturelle Durchhörbarkeit aufgewogen; die Kenntnis dieser Klavierfassung kann zu einem neuen Hörerlebnis des orchestralen Originals führen.</p> <p>Gleiches gilt für die weiteren Nummern der CD: die Ouvertüren zu Goethes „Hermann und Dorothea“ und „Faust“ (bearbeitet von Schumann selbst bzw. Clara Schumanns Halbbruder Woldemar Bargiel) sowie die bei weitem bekanntere „Manfred“-Ouvertüre. Von besonderem Repertoirewert ist es, dass das Klavierduo Eckerle ihr noch zwei Auszüge aus der so gut wie nie aufgeführten Schauspielmusik Schumanns zu Byrons „Manfred“ folgen lässt, darunter die „Rufung der Alpenfee“: im Original ein Melodram, hier überraschend umgebildet zur grazilen Klavier-Pretiose.</p>