Sinfonik vierhändig!


<p>Zieht man die große Bedeutung in Betracht, die das Vierhändigspiel für Robert Schumann – auch im eigenen Musizieren – besaß, so erschließt sich die Repertoirebedeutung dieser Aufnahmereihe, die Schumanns Orchester- und Kammermusikwerke für Klavier zu vier Händen versammelt, von selbst. Deren dritte Ausprägung mit sinfonischer Musik des großen Romantikers hat nun das Klavierduo Eckerle vorgelegt.</p> <p>Das sezierend genaue Spiel des Duos setzt ein mit der Ouvertüre zu „Manfred“ op. 115, der sich die daraus entnommenen Nrn. 5 (Zwischenaktmusik) und 6 (Melodram „Rufung der Alpenfee“) anschließen. Schumanns bedingungslose Identifikation mit der Byron’schen Dichtung wird hier in einer ungewohnten, der vergrößernden Klarsicht einer Lupe entsprechenden Klangsphäre deutlich, in einer einem hervorragenden Instrument entlockten ausgewogenen Klangkultur.</p> <p>Die Quadratur des Kreises versucht das Duo mit der Darstellung der Es-Dur-Sinfonie op. 97, der „Rheinischen“, in Reineckes gelungener, von Schumann noch 1851 revidierter Bearbeitung. Kann man den lebhaften Schwung etwa des Kopfsatzes auf nur vier Hände verteilen und die Klangfülle des Originals erreichen, ohne in motorisches Tremolieren zu verfallen oder die rechten Pedale unangemessen einzusetzen? Wohl nicht! Die Künstler entschieden sich für den „ehrlichen“ Weg und setzen Sorgfalt und Detailliebe an die Stelle schmissiger Bravour, ohne zu vergessen, einen großen Bogen über das gewaltige Opus zu spannen.</p> <p>Die neue CD schließt mit zwei Goethe-Vertonungen, der Ouvertüre zu „Hermann und Dorothea“ op. 136 und der Ouvertüre zu den „Szenen aus Goethes Faust“, Erstere eine vom Komponisten selbst erstellte Bearbeitung, die Zweite eine Arbeit seines Schwagers Woldemar Bargiel. Beides aber sind Werke, in denen der allzu oft verkannte „Spätstil“ (es handelt sich indes um die Musik eines 42-Jährigen, der möglicherweise spürte, dass ihm enge zeitliche Grenzen gesetzt sein würden) zu Klang kommt, Quintessenz eines Genius’, musikalische Aussagen zu verdichten, ohne unverständlich zu werden. Beide im Repertoire vernachlässigten Werke trugen dem Komponisten (posthum) keinen Erfolg ein, desto wichtiger ist es, dass ein Klavierduo wie dieses, das sich hier meisterlich klärend zu „Wort“ meldet, zu einer gewichtigen Bereicherung des Aufnahmenkatalogs beiträgt.</p> <p>Auch im Verein mit dem informativen Textheft ist diese CD eine höchst lohnende Anschaffung: Schumann „betrachtet“ aus einem ungewöhnlichen „Hör“-winkel.</p> <p>Die CD des Klavierduos Eckerle ist bei Naxos erschienen (Nr. 8.551322, 68:31min) und ist im Fachhandel oder auch bei Volker Eckerle erhältlich (mail: Volker.Eckerle@t-online.de)</p>